Fränkische Nachrichten vom 21. Januar 2011
Neustart für Hardheimer Automobilzulieferer: Insolvenzverwalter Winkler gewann niederländische Investmentgesellschaft mit umfassender Branchenerfahrung
Von Ingrid Eirich-Schaab
Hardheim. Die Firma Reum hat einen neuen Eigentümer. Insolvenzverwalter Marcus Winkler ist es gelungen, mit der niederländischen Investmentgesellschaft HTP einen Investor mit fundierter Branchenerfahrung zu gewinnen: Zum 1. Februar übernimmt dessen auf den Automobilsektor spezialisierte Tochtergesellschaft HTP Automotive das Hardheimer Unternehmen.
"Konstruktive Verhandlungen zwischen HTP, den Automobilherstellern (OEMs), den Betriebs- und Tarifparteien, den finanzierenden Banken und der Insolvenzverwaltung haben diese Lösung ermöglicht," so Max-Valentin Loebig, Pressesprecher von HTP. "Der Vertrag wurde am gestrigen Donnerstag unterzeichnet.
Mit dem Abschluss der Transaktion rechnet HTP noch im ersten Quartal 2011 vorbehaltlich der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart."
"Wir haben für Reum eine optimale Lösung gefunden. Mit HTP ist das Unternehmen hervorragend aufgestellt für die Anforderungen des Marktes", so Rechtsanwalt Marcus Winkler in einer Pressemitteilung der auf Insolvenzrecht spezialisierten Kanzlei BBL aus Michelstadt.
Die HTP erwirbt den Geschäftsbetrieb und die Produktionsstandorte. "Alle Standorte bestehen weiter", so der Insolvenzverwalter. Und was ihm besonders wichtig ist: Über 90 Prozent der Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.
Die Gläubigerversammlung hat dem Kaufvertrag bereits zugestimmt. Bis zum 1. Februar, dem Übertragungsstichtag, werden noch einzelne Details abgestimmt.
Winkler hat als Insolvenzverwalter der Reum GmbH bereits umfangreiche Restrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Der Geschäftsbetrieb, der während der gesamten Zeit an den Standorten Hardheim, Calw und Trusetal uneingeschränkt weiterlief, stabilisierte sich dadurch nachhaltig. Es gab mehrere ernsthafte Interessenten.
Der Investor übernimmt die Reum Gmbh als ein Unternehmen mit ausgelasteten Kapazitäten, steigenden Umsatzzahlen und stabilen Lieferanten- und Kundenbindungen.
Gute Auftragslage
Um der Nachfrage gerecht zu werden, musste Reum in den letzten Monaten sogar noch weitere Mitarbeiter - in erster Linie Leih- und Zeitarbeiter - einstellen (die FN berichteten).
Zu dieser positiven Entwicklung trug unter anderem die besondere Stellung des Unternehmens am Markt bei. Sämtliche Kunden- und Lieferantenbeziehungen wurden nach Auskunft Winklers trotz des Insolvenzantrags aufrecht erhalten.
Die Reum GmbH fertigt als mittelständischer Produzent hochwertige Funktions- und Designkomponenten für Kraftfahrzeuge und Komfortausstattungen für Premiumfahrzeuge. Das Unternehmen entwickelt die von ihm hergestellten Gerätegruppen, arbeitet eng mit Automobil- und anderen Herstellern zusammen und ist zentraler Zulieferer für eine Vielzahl von Premium-Herstellern.
Derzeit 930 Mitarbeiter
Reum besitzt Produktionsstandorte in Hardheim, Trusetal, Calw und Groß-Gerau und beschäftigt nach Auskunft von Dr. Constanze Baumgart von der Kanzlei BBL aktuell rund 940 Mitarbeiter.
Im Geschäftsjahr 2009 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 86 Millionen Euro. Für 2010 rechnet man mit Umsätzen in Höhe von 105 Millionen Euro.
Am 25. August 2010 hatte Reum Insolvenzantrag stellen müssen.
Von der in die Verhandlungen einbezogenen IG Metall Tauberbischofsheim und von Seiten des Betriebsrates war gestern leider niemand zu einer Stellungnahme erreichbar.