Home > News & Service > Einzelansicht
12.01.2011

Nehlsen kauft Kamenzer Entsorger ESK

Sächsische Zeitung vom 12. Januar 2011

Für die insolvente ESK gibt es jetzt einen Neuanfang. Seit 2010 schreibt die Firma mit 14 Mitarbeitern wieder schwarze Zahlen. Zum 1. Februar 2011 bekommt die insolvente Entsorgungsservice Kamenz GmbH (ESK) einen neuen Eigentümer. Dies teilt Insolvenzverwalter Christian Heintze mit. Damit endet eine fast zweijährige Phase der Unsicherheit für die noch 14 Beschäftigten. Neuer Eigentümer wird die Neru GmbH & Co. KG, die zur Firma Nehlsen AG gehört. "Wir haben damit nach der erfolgreichen Sanierung des Entsorgungsfachbetriebes einen geeigneten Käufer gefunden", so Dr. Heintze von der Insolvenzverwalterkanzlei BBL Bernsau Brockdorff. Die "Restrukturtierungsmaßnahmen" seien erfolgreich gewesen, heißt es. "Im Insolvenzverfahren selbst sind keine Verluste angefallen. Im Gegenteil: 2010 arbeitete das Unternehmen wieder durchgängig profitabel."

Dies dürfte auch die lange Suche nach einem geeigneten Käufer mitbegründen. Der Entsorgungsmarkt ist hart umkämpft. So hatte Dr. Heintze zuletzt sogar mit fünf potentiellen Investoren zu tun, wie er mitteilt. Den Zuschlag erhielt die Neru GmbH & Co. KG, die bereits vielfältig in Sachsen engagiert ist - auch im Landkreis Bautzen. Sie gehört zur Nehlsen AG, einem der führenden deutschen Entsorgungsunternehmen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Name und Logo bleiben

"Neru erhält den Standort in Kamenz und übernimmt die derzeit 14 Mitarbeiter", bestätigt der Insolvenzverwalter. Der Übergang werde nahtlos sein. Firmung und Logo der ESK als solche bleiben erhalten. Wie bisher entsorge die ESK Kamenz unter anderem im Altkreis Kamenz. Die Firma sammelt u.a. das Altpapier - auch über die blaue Tonne, bietet Containerdienste, Abrisse und Asbestsanierung sowie Schüttguttransporte an. Der Betriebshof liegt wie bisher zwischen Jesau und Nebelschütz.

Mitten in der Wirtschaftskrise hatte die ESK Kamenz am 26. Februar 2009 beim Amtsgericht Dresden einen Insolvenzantrag stellen müssen. Das Verfahren startete am 1. Mai des gleichen Jahres. Es war von Anfang an auch mit der besonderen Geschichte des mittelständischen Unternehmens belastet. Es war 1991 vom Alzeyer Wolfgang Hinkel gegründet worden, wobei eine Bürgschaft des Landkreises mithalf. In zehn Jahren wuchs die ESK kontinuierlich an - auf einen Entsorger mit 50 Mitarbeitern und 25 Fahrzeugen. 2003 kam es zum Bruch mit dem langjährigen Betriebsleiter, was sogar zu Untreue- und anderen Prozessen vor diversen Gerichten führte. Auch in diesem Zusammenhang verlor man 2006 die neu ausgeschriebene Hausmüll-Entsorgung im Altkreis.

Wolfgang Hinkel resümierte gestern auf SZ-Nachfrage dennoch "eine sehr schöne Zeit" in Kamenz. Als kleines Unternehmen habe man es aber zunehmend schwerer gehabt, sich gegen die Branchengrößen zu behaupten. "Der Service, den wir gemacht haben, ist heute so nicht mehr auszurechnen." Dass Nehlsen den Zuschlag bekommen habe, freue ihn. Hauptsache, sein Ex- Betriebsleiter kam nicht zum Zuge...

Karl Nehlsen hat das Unternehmen 1923 als Fuhrgeschäft in Bremen gegründet. Später führten Sohn Dieter und bis heute seine Ehefrau Ilse Nehlsen das Unternehmen weiter. Die Kerngeschäftsfelder sind Abfallwirtschaft, Abwasserwirtschaft, Handel & Logistik, Technik und Facility Management. 4 000 Mitarbeiter sind an insgesamt 60 Standorten in Deutschland beschäftigt. International ist das Unternehmen mit 230 Mitarbeitern in Osteuropa tätig. Mit knapp 300 Millionen Euro Umsatz im Jahr gehört man zu den Top Ten der Branche.