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22.01.2011

Reum geht gestärkt in die Zukunft

Fränkische Nachrichten vom 22. Januar 2011

Belegschaft wurde gestern in Betriebsversammlungen informiert: Die FN sprachen mit Insolvenzverwalter und neuem Geschäftsführer / 60 Mitarbeiter entlassen

Von Ingrid Eirich-Schaab

Hardheim. Die niederländische Investmentgesellschaft HTP übernimmt am 1. Februar die Firma Reum. Der Vertrag wurde am Donnerstag unterzeichnet (die FN berichteten). Für Insolvenzverwalter Marcus Winkler geht damit ein "gewaltiger Kraftakt" erfolgreich zu Ende: "Wir waren in den letzten Monaten mit bis zu 20 Mitarbeitern aus unserem Büro an den drei Reum-Standorten in Hardheim, Calw und Trusetal im Einsatz," machte er gestern in einem Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten deutlich. Zugleich erläuterte der neue Geschäftsführer der Firma Reum, Wolfgang Speck, wie es weitergehen soll und was auf Unternehmen und Belegschaft zukommt.

Reduzierung der Mitarbeiter

Die Reduzierung des Personals um knapp zehn Prozent war ein erster, wesentlicher Schritt. Die Mitarbeiter, die eine Kündigung erhalten, wurden am Donnerstag persönlich darüber informiert.

Innerbetriebliche Strukturveränderungen und Veränderungen in den Arbeitsabläufen werden folgen. Informationen hierzu gab es gestern in Betriebsversammlungen am Vormittag in Calw und am Nachmittag bei Reum in Hardheim.

Betriebsversammlungen

Dabei unterrichtete Insolvenzverwalter Marcus Winkler die Beschäftigten zunächst über den Verkauf. Der neue Eigentümer HTP habe ein "super Konzept" vorgelegt, hinter dem auch er voll stehe: Die Standorte und über 90 Prozent der Arbeitsplätze werden erhalten. "Kunden und Lieferanten ziehen mit und bleiben bei der Stange." HTP übernimmt das Sachanlagevermögen von Reum und leistet zusätzlich einen signifikanten Eigenkapitalbeitrag.

Der neue Geschäftsführer der Firma Reum, Wolfgang Speck, stellte die Eigentümerfirma HTP und sein Ziel vor, "Reum auf eine gute Schiene zu bringen", wie er es gegenüber den FN ausdrückte.

Dazu seien Sanierungsbeiträge von den Banken, den Mitarbeitern und den Kunden erforderlich. Jeder trage dazu bei, den insolventen Automobilzulieferer wieder ins richtige Fahrwasser zu bugsieren. Speck ist zuversichtlich, dass dies gelingen wird.

Die Reum GmbH beschäftigte zuletzt 930 Mitarbeiter und rund 290 Leiharbeiter. In Hardheim werden 49 von etwa 530 und in Calw elf der rund 300 Mitarbeiter des Stammpersonals entlassen. In Geroß-Gerau (fünf) und in Trusetal (80) niemand.

Vor der Übernahme ist die Zahl der Beschäftigten in der Reum-Gruppe trotz der Insolvenz schon wieder angestiegen. In der Produktion wurde das Personal aufgestockt: Vor allem durch Leiharbeiter, aber auch - angesichts der Umsatzzuwächse - bereits durch fest angestellte Mitarbeiter, die der neue Eigentümer mit übernimmt.

Die Kündigungen erfolgten schwerpunktmäßig in der Verwaltung. Man trennt sich vom "überwiegenden Teil" der Führungsriege. Diese soll deutlich verschlankt werden. "Sie war noch aufgestellt für einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro", erläuterte Speck. Entsprechend des aktuellen Standes (Umsatz von rund 100 Millionen Euro) werde die personelle Situation angepasst und die Führungsmannschaft neu aufgestellt.

Bemühen um Kontinuität

"Zunächst sind wir bemüht, die Kontinuität zu sichern", so Speck. Innerbetriebliche Strukturveränderungen werden nach und nach folgen. Optimierung - vor allem bei den Fertigungsprozessen - sei angesagt. "Das Unternehmen hat viele Neuanläufe zu bewältigen", ist sich der neue Geschäftsführer bewusst.

Marcus Winkler war gestern sehr erfreut, dass er und seine auf Insolvenzabwicklungen spezialisierte Kanzlei "das so gut hinbekommen haben." Hauptaufgabe von ihm und seinen Mitarbeitern sei es neben der Suche nach einem Investor gewesen, "Ruhe in das Unternehmen zu bekommen, die Lage nicht zu verschlechtern und das Vertrauen der Belegschaft, Kunden und Lieferanten zu gewinnen."

Er freue sich, mit HTP einen erfolgreichen Spezialisten bei der Übernahme, Restrukturierung und Konsolidierung von Unternehmen gewonnen zu haben. "Auch wenn das Unternehmen aus den Niederlanden kommt, glaube ich fest, dass es in Deutschland bleibt."