Nordkurier vom 24. Juni 2010
Demmin/Potsdam (jsp). Das zahlungsunfähige Störzucht-Unternehmen Caviar Creator Manufaktur GmbH in Demmin ist an einen russischen Investor verkauft worden. In den vergangenen Monaten seien intensive Verkaufsverhandlungen mit mehreren Interessenten geführt worden, sagte Insolvenzverwalter Christian Graf Brockdorff in Potsdam. Seinen Angaben zufolge sollen alle verbliebenen Arbeitsplätze erhalten werden. Derzeit seien noch 16 Personen und ein Geschäftsführer in der Anlage beschäftigt. Vor der Insolvenz waren zeitweise um die 25 Personen bei Caviar Creator beschäftigt. Über den Namen des Investors und die Höhe des Kaufpreises, der noch nicht geflossen sei, wollte Brockdorff keine Auskunft geben. Darüber sei Stillschweigen vereinbart worden. Der Käufer verfüge in Russland über eigene Vertriebswege und betreibe dort selbst zwei Störfarmen. "Ich bin optimistisch, dass Caviar Creator mit dem neuen Investor eine erfolgreiche Zukunft vor sich hat", so Brockdorff.
Nach Informationen des Nordkurier sollen die russischen Erwerber 5,2 Millionen Euro für die Anlage geboten haben. Caviar Creator hatte bei Inbetriebnahme 2005 die Kosten für die geschlossene Aquakultur-Anlage mit 16 Millionen Euro angegeben. Wie unsere Zeitung erfahren hat, soll ein japanischer Interessent aus dem Verkaufspoker ausgestiegen sein, weil die Verluste der Störfarm erneut schnell gestiegen sein sollen. Laut Insidern fährt der Demminer Kaviarproduzent pro Jahr knapp 2 Millionen Euro Verlust ein.
Brockdorff bestätigte, dass die rund 5000 Anleger von Caviar Creator, die rund 50 Millionen Euro für das Unternehmen gezahlt hatten, leer ausgehen. Aus dem Verkaufspreis würden die Gläubiger bedient. Gerade unter Altaktionären wird derzeit gerätselt, wie der russische Investor die Anlage in die Gewinnzone bringen will. Selbst bei einem Preis von 500 Euro pro Kilogramm Kaviar, der nur noch in Russland gezahlt werde, fahre die Störfarm Millionen-Verluste ein. Vor diesem Hintergrund wird auch gemutmaßt, dass die Anlage in Demmin über kurz oder lang abgebaut und nach Russland gebracht werden könnte.
Von Anfang an hatte die "Kaviarfabrik", in der rund 200 000 Störe gehalten werden, Schwierigkeiten, die Produktionsziele zu erreichen. Die Mengen wurden ständig nach unten korrigiert - die ursprünglich genannten elf Tonnen im Jahr wurden nie auch nur annähernd erreicht. Als Grund wurden unter anderem technische Schwierigkeiten bei der Wasseraufbereitung angegeben. Der frühere Firmenchef Frank Schaefer muss sich derzeit vor Gericht wegen des Verdachts des Anlegerbetrugs verantworten. Laut Staatsanwaltschaft soll der 54-Jährige 52,2 Millionen Euro eingeworben und eine Art Schneeballsystem betrieben haben. Schon ein halbes Jahr nach dem Produktionsstart 2005 habe er gewusst, dass Caviar Creator nicht überlebensfähig sei.