23.03.2013 | Hollerbach übernimmt Firma Edmund Müller

Die Mitarbeiter werden übernommen und der Name des Familienbetriebs bleibt bestehen – Sitz wird nach Hardheim verlegt

erschienen in: Rhein-Neckar-Zeitung vom 23.03.2013
Von Rüdiger Busch

Rinschheim/Hardheim. Nur drei Wochen nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist es dem Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Marcus Winkler (Kanzlei BBL, Stuttgart) gelungen, einen Investor für die Rinschheimer Firma Edmund Müller Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG zu finden. Im Rahmen einer übertragenden Sanierung wird die Baufirma von der Hardheimer Hollerbach AG übernommen. Der Firmenname Edmund Müller bleibt bestehen, und die gut 30 Mitarbeiter können ihren Arbeitsplatz behalten. Der Firmensitz wechselt jedoch von Rinschheim nach Hardheim.

Insolvenzverwalter Marcus Winkler beleuchtete gestern nur eine Stunde nach Unterzeichnung des Vertrags die Entwicklung der letzten Wochen, die Mitte Januar ihren Anfang genommen hatte. Damals war Geschäftsführer Harald Schäfer den schweren Gang zum Insolvenzgericht angetreten. Als Hauptgrund für die finanzielle Schieflage der Firma nannte Winkler damals die anhaltend winterliche Witterung, die dazu geführt habe, dass der Geschäftsbetrieb nahezu vollständig ruhte.

„Ich habe dann ein sehr gut aufgestelltes Unternehmen mit einem erstklassigen Erscheinungsbild vorgefunden“, berichtete Winkler. Die Ausgangssituation für eine Fortführung der Baufirma sei auch auf Grund des frühzeitigen Gangs zum Insolvenzgericht gut gewesen. Die Mitarbeiter seien zudem sehr motiviert gewesen. Das erste Ziel, die Stabilisierung des Geschäftsbetriebs, sei schnell erreicht worden. Trotz der unsicheren Lage wurden sogar weitere Bauaufträge angenommen.

Entscheidend für die Zukunft des Unternehmens sei das Zusammentreffen mit der Familie Hollerbach gewesen: Die Gespräche mit Firmengründer Arnold Hollerbach und den Kindern Dr. Antonia und Dr. Maximilian Hollerbach hätten schnell und unkompliziert zu der jetzt gefundenen Lösung geführt. Marcus Winkler bezeichnete die übertragende Sanierung als „Glücksfall für alle Beteiligten“.

Dieser Ansicht schloss sich der neue Geschäftsführer Dr. Maximilian Hollerbach an: „Wir waren schon länger auf der Suche nach einen Tiefbau-Spezialisten zur Abrundung unserer Palette.“ Die Hollerbach-Gruppe mit Hauptsitz in Hardheim besteht aus der Hochbau-Firma Hollerbach-Bau, dem Ladenbau-Experten Universalprojekt und den Stahlund Metallbaufirmen Schölch und Breitenbach (Miltenberg). Die Mitarbeiterzahl vor der Übernahme betrug rund 450.

Hollerbach sicherte zu, dass die Firma Edmund Müller, die in der Region einen vorzüglichen Ruf genieße, als eigenständige Tochterfirma weitergeführt werde. Der Name E. Müller bleibt also erhalten, nur der Sitz der Firma wird nach Hardheim verlegt, genauer gesagt in das Gelände der ehemaligen US-Raketenbasis Nike-Stellung, die seit Ende der 90- er Jahre in Besitz der Hollerbach-Gruppe ist. Dort ist zunächst die Errichtung zweier großer Lagerzelte für die Unterbringung von Material geplant. Die Büro-Arbeitsplätze der Firma Edmund Müller werden im Firmengebäude von Hollerbach-Bau in der Hans-Scheibel-Straße untergebracht.

Mittel- bis langfristig sei auch eine bauliche Expansion in der Nike-Stellung denkbar. Die komplette Zusammenlegung aller Firmengruppe in der ehemaligen Kaserne – wie sie vor Jahren einmal angedacht war – werde aber nicht mehr angestrebt, stellte Hollerbach klar.

Mit der Verlegung des Firmensitzes nach Hardheim erhoffe man sich eine schnellere und bessere Einbindung in die Unternehmensgruppe. Zudem sei eine bewusste Entscheidung für den Stammsitz: „Hollerbach ist und bleibt ein Hardheimer Unternehmen.“ Was mit dem jetzigen Müller-Areal in Rinschheim wird, ist noch nicht klar. Es ist nicht Teil der Übertragung und befindet sich in Besitz von Harald Schäfer.

„Ich würde mich freuen, wenn alle Mitarbeiter den Weg nach Hardheim mitgehen“, sagte Hollerbach abschließend und wies darauf hin, dass zudem ein Ausbau der Belegschaft geplant sei.

„Mein großes Anliegen war es, dass alle Mitarbeiter übernommen werden, und dass niemand auf der Straße steht“, betonte der frühere Geschäftsführer Harald Schäfer. Dass dieses Ziel erreicht wurde und auch der traditionsreiche Name weiter Bestand hat, bezeichnete Schäfer als „gute Lösung“.

Der 1926 von Edmund Müller in Rinschheim gegründete Baubetrieb stand über 80 Jahre, zuletzt in der vierten Generation geführt, für zuverlässiges Bauen auf hohem Qualitätsniveau. Die Bauunternehmung hat sich nach der Firmengründung aus bescheidenen Verhältnissen zu einem weit über die Grenzen der Region hinaus erfolgreichen Unternehmen entwickelt. Im Tiefbau reicht das Leistungsspektrum vom traditionellen Straßen-, Tief- und Wasserbau über den Wirtschaftswegebau und Abbruch- und Verbauarbeiten bis hin zur Grundstückserschließung für Wohn-, Gewerbe- und Industriebau.

Seit gestern ist klar: Künftig wird die Firma als Teil der Hollerbach-Gruppe geführt. Die Perspektiven sind durchaus gut, wie der Blick auf die Firmen Breitenbach und Schölch zeigt, die beide vor einigen Jahren von Hollerbach übernommen wurden und zurück in die Erfolgsspur fanden. Bei beiden Unternehmen wurde die Zahl der Beschäftigten zudem deutlich erhöht – bei Schölch von 40 auf aktuell 80 Mitarbeiter.

mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Neckar-Zeitung, Redaktion Buchen