26.09.2014 | Diakonisches Werk Potsdam – Sanierung abgeschlossen

Amtsgericht hebt Insolvenzverfahren auf

Das Amtsgericht Potsdam hat das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Diakonischen Werkes Potsdam aufgehoben. Dies teilte das Büro des Sachwalters, BBL Bernsau Brockdorff & Partner, auf Nachfrage mit. Bereits am 4. September 2014 wurde der vom Sachwalter Christian Graf Brockdorff beim Amtsgericht Potsdam eingereichte Insolvenzplan einstimmig angenommen.

Das Diakonische Werk Potsdam war in der Vergangenheit in finanzielle Schieflage geraten. In den vergangenen Wochen und Monaten wurde vom Sachwalter, Rechtsanwalt Christian Graf Brockdorff, gemeinsam mit dem Vorstand, Herrn Frank Hohn, die Sanierung des Diakonischen Werkes Potsdam durchgeführt. Die Sanierung erfolgte im Rahmen einer vom Amtsgericht Potsdam angeordneten Eigenverwaltung in Kombination mit einem Insolvenzplan. Im Rahmen dessen wurden einzelne Bereiche auf andere Träger übertragen. Sämtliche Arbeitsplätze der 220 Mitarbeiter, welche bei der Schuldnerin beschäftigt waren, blieben erhalten, da im Rahmen der Übertragung einzelner Geschäftsbereiche auf neue Träger die Mitarbeiter entsprechend von den neuen Trägern übernommen worden sind.

Bei der Schuldnerin sind letztlich zehn Kitas, welche sich in Potsdam und dem naheliegenden Umland befinden, das Asylheim am Schlaatz sowie die Beratung für Migranten und die Telefonseelsorge verblieben. Durch die Abgabe einzelner Bereiche an andere Träger kann sich das Diakonische Werk Potsdam nunmehr auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Als neue Träger konnten unter anderem das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) sowie das Klinikum „Ernst von Bergmann“ gewonnen werden. Damit konnte sichergestellt werden, dass zukünftig alle Bereiche qualifiziert fortgeführt werden.

Durch den Insolvenzantrag und das durchgeführte Insolvenzplanverfahren konnten die Ursachen der Insolvenz beseitigt werden. Diese lagen vornehmlich in der Ausweitung der Tätigkeitsbereiche des Diakonisches Werkes ohne gleichzeitige Anpassung der dafür notwendigen Controlling-Strukturen und der Finanzverwaltung. Auch fehlendes Know-How sowie der ungünstig verteilte Einsatz von Fachkräften und Personal waren ein Grund der eingetretenen Krise. Es wurden insbesondere die pädagogischen Fachkräfte in einigen Kitas zu viel und in anderen zu wenig eingesetzt, wo es dann entsprechend an diesem qualifizierten Personal fehlte.

Aufgrund der fehlerhaften Einsetzung der Fachkräfte sowie der Abrechnung gegenüber den Zuwendungsgebern ergaben sich unmittelbar vor Insolvenzantragstellung erhebliche Rückforderungen der Stadt Potsdam und des Landkreises Potsdam-Mittelmark in sechsstelliger Höhe. Diese konnte das Diakonische Werk nicht zurückzahlen, da ein gemeinnütziger Verein keine Rücklagen bilden darf. Die Forderungen des Diakonischen Werkes beliefen sich schlussendlich auf circa 3,24 Millionen Euro.

Aufgrund des Insolvenzplanes erhalten die Gläubiger eine Quote von circa 20 % auf ihre angemeldeten und festgestellten Forderungen. Dies ist aus Sicht des Vorstandes und des Sachwalters eine gute Quote, da diese in regulären Insolvenzverfahren in der Regel weniger als 5 % beträgt.

Auch wurde im Rahmen der Sanierung der einstige Hauptsitzes des Diakonischen Werkes in der Mauerstraße 2 in Potsdam veräußert. Der Verwertungserlös kommt ebenfalls den Gläubigern des Insolvenzverfahrens zu Gute.

BBL ist eine auf Insolvenzrecht spezialisierte Kanzlei mit ausgeprägter Beratungs- und Verwaltungskompetenz. Als weitere besondere Expertise kommt die Zwangsverwaltung von Immobilien hinzu. BBL verfügt über umfangreiche Erfahrung in komplexen Insolvenzplanverfahren und durch zahlreiche grenzüberschreitende Fälle über einen starken internationalen Bezug. Rund 50 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte arbeiten an mehr als 30 Standorten, überwiegend in wichtigen Wirtschafts- und Finanzzentren.
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