01.12.2015 | Röder Präzision stärkt Neuausrichtung durch Nutzung eines modernen Sanierungsinstruments

  • Antrag auf Eigenverwaltungsverfahren
  • Unternehmerische Verantwortung bleibt bei Geschäftsleitung
  • Geschäftsbetrieb und Produktion sichergestellt
  • Fokus auf Kernkompetenzen in der zivilen und militärischen Luftfahrt

Egelsbach, 27. November 2015. Röder Präzision GmbH stärkt die eigene Transformation vom reinen Instandhaltungsbetrieb zum Innovationsunternehmen in der zivilen und militärischen Luftfahrt. Das familiengeführte Traditionsunternehmen verstärkt die technologisch geprägten Bereiche der Oberflächenbehandlung und Faserverbundwerkstoffe. Für die Neuausrichtung wird das Egelsbacher Unternehmen im Zuge eines vorausschauend angelegten Sanierungsprogramms umstrukturiert. Dazu hat Geschäftsführer Erwin Feldhaus, nach einstimmigem Gesellschafterbeschluss, heute beim Amtsgericht Offenbach den Antrag auf ein Eigenverwaltungsverfahren gestellt. Das Amtsgericht ist dem Antrag gefolgt und untermauert damit den gewählten Weg.

Durch die Ausmusterung des Transall-Transportflugzeuges aus dem Flugbetrieb der Bundeswehr fällt dem Unternehmen künftig ein wesentlicher Umsatz weg. „Wir müssen uns stark verändern, um diesen Verlust zu kompensieren und so weiterhin profitabel arbeiten zu können. Das Eigenverwaltungsverfahren ist für alle Beteiligten die beste Lösung“, erklärt Feldhaus.

Mit der Eigenverwaltung nutzt Röder Präzision GmbH die seit 2012 geltenden Möglichkeiten einer Sanierung unter Insolvenzschutz. „Wir haben uns für die Anwendung des ESUG (Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen) bewusst entschieden, weil die nachhaltige Sicherung von Arbeitsplätzen und die Stärkung des Unternehmensstandorts Egelsbach oberstes Ziel der Familie Röder ist“, schildert Sven Schulte-Hillen, Partner der Kanzlei Dechert LLP in Frankfurt und langjähriger anwaltlicher Berater des Unternehmens und der Röder Familie.

Für die optimale Umsetzung dieser Neuausrichtung beauftragte Röder Präzision GmbH die Beratungsgesellschaft Buchalik Brömmekamp. „Das Unternehmen hat viele Stammkunden mit langfristigen Aufträgen und technologisch einzigartige Produkte“, erklärt Sanierungsgeschäftsführer Nils Averbeck von Buchalik Brömmekamp, der nun beginnt, mit Erwin Feldhaus den gewählten Weg umzusetzen. Das Besondere eines Eigenverwaltungsverfahrens ist, dass die unternehmerische Verantwortung in den Händen der bisherigen Geschäftsführung bleibt und diese den Sanierungsprozess selbstständig durchführen kann.

Die Eigenverwaltung hat einen wesentlichen Vorteil: Die Geschäftsführung bleibt weiterhin im Amt und kann die Geschicke des Unternehmens weiter lenken. Sie übernimmt dabei die meisten Aufgaben, die bislang von einem Insolvenzverwalter wahrgenommen wurden. Anstelle eines Insolvenzverwalters wird ein Sachwalter bestellt, der hauptsächlich die Aufgabe hat, die wirtschaftliche Lage des Schuldners zu prüfen und die Geschäftsführung zu überwachen. Als vorläufigen Sachwalter bestellte das Offenbacher Amtsgericht Rechtsanwalt Dr. Georg Bernsau von der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff und Partner aus Frankfurt am Main, der sich nach der Antragstellung vor Ort einen ersten Überblick verschafft hat. „Sowohl die Lieferanten als auch die Kunden haben ihre Bereitschaft zu einer weiteren Zusammenarbeit signalisiert. Das stimmt mich sehr zuversichtlich, dass Röder mit der Eigenverwaltung den richtigen Weg zur Sanierung gewählt hat“, so Dr. Bernsau.

Hintergrund: Was ist eine Eigenverwaltung
In der seit dem 1. März 2012 reformierten Eigenverwaltung durch das ESUG (Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen) bleibt die Geschäftsführung weiterhin im Amt und kann die Geschicke des Unternehmens weiter lenken. Die Geschäftsführung übernimmt dabei die meisten Aufgaben, die bislang von einem Insolvenzverwalter wahrgenommen wurden. Anstelle eines Insolvenzverwalters wird ein Sachwalter bestellt. Der Sachwalter hat hauptsächlich die Aufgabe, die wirtschaftliche Lage des Schuldners zu prüfen und die Geschäftsführung zu überwachen. Im Einvernehmen mit den Gläubigern, dem vorläufigen Sachwalter und dem Insolvenzgericht will das Verfahren die Fortführung eines Unternehmens unter dem Schutz der Insolvenzordnung ermöglichen. Ziel des Verfahrens ist es, dem Unternehmen den bisherigen Gesellschafterkreis zu erhalten und es nicht zu zerschlagen. Deshalb soll das Unternehmen auch nicht verkauft (asset deal), sondern über einen Insolvenzplan entschuldet werden. Die Passivseite der Bilanz wird durch Gläubigerverzichte deutlich gestärkt. Am Ende des Verfahrens hat sich die Eigenkapitalquote meist erheblich verbessert. Aus verschiedenen Quellen, insbesondere Insolvenzgeld und Umsatzsteuer, wird so viel Liquidität generiert, dass eine Liquiditätszufuhr von außen nicht mehr erforderlich ist. Die Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen, wie etwa die Beendigung unrentabler Vertragsverhältnisse oder langlaufender Dauerschuldverhältnisse, ist deutlich schneller und wesentlich kostengünstiger möglich. Dadurch wird die Liquidität geschont und das Ergebnis erheblich verbessert. In aller Regel geht das Unternehmen deutlich gestärkt aus diesem Verfahren hervor und erreicht wieder eine nachhaltige Markt- und Wettbewerbsfähigkeit.

Über Röder Präzision GmbH:
Die Röder Präzision GmbH ist ein Systemlieferant für die zivile und militärische Luftfahrtindustrie. Ihre 300 Mitarbeiter, die zum großen Teil in Egelsbach bei Frankfurt beschäftig sind, erbringen Wartungs- und Instandsetzungsleistungen für eine breite Anzahl von Flugzeugen und Flugzeugkomponenten. Das Unternehmen bietet als Hersteller- und Entwicklungsbetrieb für Faserverbundkomponenten und Vereisungsschutzanlagen eine hohe Kompetenz im Bereich der Luftfahrzeugstruktur sowie ein großes Verfahrensspektrum im Bereich der Oberflächenbehandlung von Metallteile für Flugzeugkomponenten.
Röder Präzision GmbH ist ein nach europäischem Luftfahrtrecht zertifizierter Entwicklungs- und Herstellungsbetrieb (EASA Part 21G/J) sowie nach europäischem und US-amerikanischen Luftrecht zertifizierter Instandhaltungsbetrieb (EASA Part 145, FAA 145). Darüber hinaus ist Röder nach ISO und dem Standard der Nato AQAP zertifiziert (ISO 9001:2008 & 9100:2009 and AQAP 130/131).

Über Dechert LLP:
Dechert ist eine global tätige, führende Anwaltskanzlei mit mehr als 900 Anwälten an 27 Standorten. In Deutschland ist die Kanzlei mit Büros in Frankfurt und München vertreten. Fokussiert auf besonders komplexe Gebiete des Wirtschaftslebens mit hohen regulatorischen Anforderungen verbinden die Experten von Dechert Beratung von höchster juristischer Qualität stets mit praxisrelevanten und wirtschaftlich sinnvollen Lösungen.

Über Buchalik Brömmekamp:
Als Beratungsgesellschaft für Restrukturierung und Sanierung ist Buchalik Brömmekamp darauf spezialisiert, mittelständische Unternehmen innerhalb und außerhalb der Krise auf Erfolgskurs zu bringen. Interdisziplinär arbeiten Betriebswirte, Ingenieure und Juristen zusammen und bieten ein breites Spektrum an Dienstleistungen für mittelständische Unternehmen, Fremd- und Eigenkapitalgeber sowie Insolvenzverwalter. Buchalik Brömmekamp entwickelt ganzheitliche und nachhaltige Lösungen, die rechtlich, steuerrechtlich sowie betriebs- und finanzwirtschaftlich aufeinander abgestimmt sind und setzt diese in Restrukturierungs- und Sanierungsprojekten um. Buchalik Brömmekamp hat bisher 70 Unternehmen nach dem neuen Insolvenzrecht beraten und die entsprechenden Verfahren erfolgreich durchgeführt. Buchalik Brömmekamp ist an den Standorten Düsseldorf, Berlin, Dresden, Frankfurt am Main und Stuttgart vertreten.

Kontakt:
Robert Buchalik
Partner der Buchalik Brömmekamp Rechtsanwälte | Steuerberater
E-Mail: robert.buchalik@buchalik-broemmekamp.de
Tel.: +49 211 828977-110

Über BBL Bernsau Brockdorff & Partner:
BBL ist eine auf Insolvenzrecht spezialisierte Kanzlei mit ausgeprägter Beratungs- und Verwaltungskompetenz. Als weitere besondere Expertise kommt die Zwangsverwaltung von Immobilien hinzu. BBL verfügt über umfangreiche Erfahrung in komplexen Insolvenzplanverfahren und durch zahlreiche grenzüberschreitende Fälle über einen starken internationalen Bezug. Rund 50 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte arbeiten an mehr als 30 Standorten, überwiegend in wichtigen Wirtschafts- und Finanzzentren.

Kontakt:
BBL Bernsau Brockdorff & Partner Rechtsanwälte
Dr. Georg Bernsau
Rechtsanwalt
Tel: +49 69 963761-130 · Fax: +49 69 963761-145, weitere Informationen: www.bbl-law.de