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03. Mai 2011

Frischer Wind für "Busen-Vogel"

DNN-Artikel rettet "Evana-Mieder" am Weißen Hirsch vor dem Aus / Neue Eigentümerin will den Charme des Geschäfts bewahren

Dresdner Neuste Nachrichten vom 03. Mai 2011

Von JANE JANNKE

Aufatmen bei Kunden und Mitarbeiterinnen des Kult-Wäschegeschäfts "Evana Mieder" am Weißen Hirsch. Lastete im Dezember nach einjähriger Insolvenz noch die Schwere der Ungewissheit auf der Mieder-Manufaktur (DNN berichteten), gibt es nun Grund zur Freude, denn ab sofort hat Bärbel Förster die Zügel bei "Busen-Vogel" fest in der Hand.

Bärbel Förster, Jahrgang 1959, stammt aus Norddeutschland, lebte lange Jahre in Dresden. Als Archivarin beim schweizerischen Außenministerium bestimmen lange Zeitintervalle ihr Denken - das passt zum eigentümlichzeitlosen Charakter von "Evana-Mieder", wo noch immer fast unverändert nach den Schnittmustern von Firmengründer Martin Vogel aus den 1930er bis 50er-Jahren und auf 50 Jahre alten Maschinen genäht wird. Und genau dieses ins Heute hinübergerettete Gestrige war es, in das Bärbel Förster sich verliebte. Eine Freundin aus Dresden machte sie auf den DNN-Artikel vom Dezember aufmerksam, in dem über die ungewisse Zukunft des Geschäfts berichtet wurde. Da habe sie nicht lange überlegt. "Solch ein Geschäft stellt den Menschen ins Zentrum", sagt die 51-Jährige aus dem schweizerischen Bulle.

Unter Bärbel Försters Führung soll vor allem das klassische Sortiment beibehalten werden, das eine über viele Jahrzehnte gewachsene Stammkundschaft bindet. Verändert wird wenig und vor allem langsam. Zunächst wird das alte Evana-Logo von 1930 wiederbelebt: "Das soll als eisernes 'Wappen' draußen ans Geschäft", plant Bärbel Förster. Die Marke "Evana" will sie schützen lassen. Später soll eine junge Modelinie in einem separaten Geschäft in Dresden hinzukommen - Design-Studenten sollen sich daran verwirklichen können. "Langfristig möchte ich zusätzlich zur meist älteren Stammkundschaft auch junge Leute ansprechen", sagt Förster. Das Hauptaugenmerk soll jedoch weiterhin auf jenen Kundenkreisen liegen, die Probleme haben, von der Stange etwas Passendes zu finden. Dazu gehören korpulentere oder ältere Damen, aber auch medizinische Sonderanfertigungen, etwa für Krebspatientinnen.

Den Zuschlag hat Bärbel Förster genau deshalb erhalten: Sie fühlt sich wohl mit den Ecken und Kanten des traditionellen Handwerks. Schrittweise und moderat will sie auch die Preise dem Aufwand anpassen. Die Einnahmen fließen ausschließlich in das Geschäft, für sich selbst will Bärbel Förster nichts behalten. Zugute kommt das auch den Näherinnen Angelika Kirst und Andrea Richter, die in den vergangenen Jahren viel auf sich nahmen, um "ihr" Geschäft zu retten. "Die beiden guten Seelen des Hauses werden künftig angemessen bezahlt, obgleich sie im Grunde unbezahlbar sind", kündigt Chefin Bärbel Förster an. Nach zwei Jahren Bangen flossen bei Angelika Kirst gestern wieder Tränen - doch dieses Mal vor Freude.